Ein Visionär im Interview: Maximilian von Kräutergarten Pommerland

Maximilian Brinkmann-Brand, Vorstand von Kräutergarten Pommerland eG, hat unser Crowdfunding unterstützt, in dem er einen Tipp in unserem Kalender erworben hat. Sein Tipp gefällt uns sehr gut, weshalb wir den Tipp nicht nur mit den Besitzern des Kalenders teilen möchten:

Tipp Nachhaltigkeitskalender

Damit ihr Maximilian und Kräutergarten Pommerland besser kennenlernen könnt, haben wir ersteren um ein Interview gebeten, in dem er genauer darüber berichtet, wie eine Genossenschaft funktioniert, wie Kräutergarten Pommerland aufgestellt ist und wie ihre Tees eigentlich produziert werden. Am Ende des Interviews haben wir Maximilian noch zwei spannende persönliche Fragen gestellt.

Orangenminzernte bei einem unserer Anbauer. © Kräutergarten Pommerland
Lieber Maximilian, erzähl uns doch mal was Kräutergarten Pommerland ist und macht? Und vor allem auch seit wann!

Liebe Julia, gerne. Kräutergarten Pommerland ist eine Bio-Teemanufaktur im Nordosten Deutschlands direkt vor Usedom im kleinen Örtchen Pulow. Dort stellen wir mit viel Liebe und Handarbeit verschiedenste farbenfrohe Kräutertees her. Das Unternehmen wurde 2001 nach zweijähriger Vorbereitungsphase gegründet.

Was ist deine Funktion bei Kräutergarten Pommerland?

Neben meiner Kollegin Christiane Icke bin ich Vorstand. Ich kümmere mich um die Zahlen, organisiere Vertrieb und Marketing und versuche dabei zu helfen, das kleine Unternehmen zukunftsfest zu machen, damit hohe Qualität, Arbeitsplätze und nachhaltige Wirtschaftsweise noch lange wirken können.

Seit wann bist du dabei? Von Anfang an?

Dabei bin ich seit 2013. Da bin ich durch einen Artikel im GLS Bankspiegel auf das Projekt aufmerksam geworden. Ich fand die Tees klasse und seitdem bin ich Genossenschaftsmitglied. Im gleichen Jahr bin ich auf der Genossenschaftsversammlung in den Aufsichtsrat gewählt worden. Dabei habe ich das Unternehmen bis Ende 2016 intensiv begleitet und als ein neuer Vorstand gesucht wurde, habe ich die Einladung angenommen. Damit habe ich am 01.01.2017 in dieser Funktion begonnen.

Kräutergarten Pommerland ist eine Genossenschaft, richtig? Was genau zeichnet eine Genossenschaft aus?

Eine Genossenschaft ist ein bisschen wie eine AG und dennoch ganz anders: Jeder kann mit einem bestimmten Betrag (bei uns sind es zwei Anteile à 250 EUR) auf Antrag Mitglied bei uns werden und wird damit Miteigentümer des Unternehmens. Uns gibt jeder Anteil notwendiges Kapital, um in neue Produkte, Maschinen oder Ideen zu investieren. Mittlerweile stellen uns unsere Mitglieder fast 400.000 Euro zur Verfügung. Das ist eine enorme Wertschätzung und macht Kräutergarten Pommerland überhaupt erst möglich. Es ist natürlich auch eine riesige Verantwortung, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen. Der Vorteil der Genossenschaft ist, dass jeder, egal ob er uns 500 oder 100.000 Euro gibt, genau eine Stimme in der Generalversammlung hat. Damit ist das Ganze sehr demokratisch, was auch durch unseren Aufsichtsrat kontrolliert wird.

Ich persönlich halte diese Form des Wirtschaftens für enkeltauglich: In einer Welt, in der alle dann doch mehr oder weniger spezialisiert sind, kann man sich an der Produktion seiner Lebensmittel beteiligen und überwachen, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Wir als Produzenten sind nah an den Konsumenten dran und bleiben in Kontakt. So sieht auch jeder, dass bestimmte hochwertige Arbeit eben auch etwas kostet, aber nachhaltig Arbeitsplätze schafft und eben nicht Menschen oder die Umwelt ausbeutet. Fast niemand bei uns lehnt moderate Gewinne ab; würde jemand aber nur seinen möglichst hohen Profit anstreben, würde er in der Genossenschaft einen ganz schweren Stand haben. Du merkst, ich könnte noch Stunden von den Vorteilen des fairen Umgangs auf Augenhöhe erzählen…

Wo baut ihr die verschiedenen Zutaten für euren Tee an?

Wir haben mal mit dem hehren Anspruch begonnen, einen Großteil der Produktion selbst anzubauen. Als wir dann aber gewachsen sind und auch noch einen unserer Äcker verloren haben, war das leider nicht mehr in dem Umfang möglich. Wir bauen also nur noch einen kleinen Teil selber an, haben aber sehr enge Kontakte zu Kräuteranbauern, die uns beliefern und von denen wir gerade erst einige besucht haben. Es ist toll: Diese kümmern sich mit riesiger Leidenschaft um die Kräuter. Was wir nicht von uns oder Partnern beziehen können, bekommen wir von spezialisierten Großhändlern, die uns gute Qualität liefern. Wir bemühen uns aber gerade intensiv um noch mehr und engere Kontakte zu unseren Anbauern. Und vor allem wollen wir wieder mehr Kräuter vor Ort produzieren. Das ist aber zeitintensiv und kostet Geld. Deswegen freuen wir uns natürlich über viele neue Genossenschaftsmitglieder.

Kleines Feld in Pulow © Marc Dorazillo
Was zeichnet eure Bio-Produkte aus?

Unsere Spezialität sind großblättrig geschnittene und handverpackte Kräutertees, die sichtbar farbenfroh in unsere Tüten kommen. Die Kräuter haben sehr hohe Qualität, was man sieht und schmeckt. Als Beispiel kann man unsere Kornblumen nehmen. Wir ernten diese von Hand und trocknen sie vor Ort. So behalten sie ihre knallblaue Farbe. Das macht die Tees nicht nur zum Trinkgenuss, sondern sie sind auch etwas fürs Auge. Insgesamt wollen wir Tees mit höchster Qualität am besten lose verkaufen, das macht weniger Müll. Natürlich stellen wir aber auch Teebeutel für Gastronomie, Hotel und Büro her, wo loser Tee manchmal schwer zu handhaben ist. Darin sind die gleichen Kräuterqualitäten wie in den losen Tees.

Was sind die größten Herausforderungen beim Anbau und Vertrieb von Tee?

Kräuter sind im Anbau eigenwillig und brauchen nicht nur gute Bedingungen, sondern auch gute Kenntnisse des Anbauers, damit sie gut schmecken, aussehen und ihr volles Potenzial entfalten können. Beim Vertrieb kann man feststellen, dass der Markt für Tee auch im Biosegment viele neue Anbieter zu verzeichnen hat, was es für ein kleines Unternehmen nicht eben leicht macht, nicht verdrängt zu werden. Persönlich besonders schade finde ich die Entwicklung auch im Naturkosthandel hin zu mehr Verpackung und zu bequemem Konsum. Ich habe großes Verständnis dafür, dass nicht immer und überall loser Tee ohne Probleme verwendbar ist. Aber zu Hause ist er leckerer, günstiger und ökologischer. Die Herausforderung besteht darin, wieder mehr Rationalität und Aufmerksamkeit in der Verwendung auch mit Produkten im Alltag herzustellen und speziell bei uns die Vorteile loser Tees dem Kunden verständlich zu machen.

Abfüllung der Kräutertees © Marc Dorazillo
Für unsere Leser ist es nun sicherlich wichtig, zu erfahren, wo man euren Tee kaufen kann! Erzähl doch mal!

In jedem gut sortierten Geschäft. Wir halten viel davon, Bio für alle möglich zu machen, weswegen es unsere Produkte im Naturkostfachhandel, also im Bioladen, in manchen Reformhäusern, in Tee-Geschäften und Geschenkeläden gibt. Auch im klassischen Lebensmitteleinzelhandel sind wir vertreten und für alle, die uns nicht finden, gibt es auch die Möglichkeit, direkt im Onlineshop zu bestellen. Dann kommen wir und unsere Außendienstmitarbeiter zu Heldenmärkten, Klostermärkten und Hoffesten, wo man uns und unsere Tees kennenlernen kann – auch da wollen wir die Nähe zum Teetrinker. Die Termine kündigen wir bei Facebook oder über unsere Homepage an.

Und nun noch zwei persönlichere Fragen:

Welcher Tee von Kräutergarten Pommerland ist dein Lieblingstee für kalte Tage?

Ich trinke immer wahnsinnig gerne Drachenglut. Der hat mir schon die eine oder andere Erkältung erspart, wenn das erste Kratzen im Hals kam. Zum Wohlfühlen: Winterlicht. Der ist mild und mit der leichten Orangennote für die kalte Jahreszeit ideal.

Dein persönlicher Nachhaltigkeitstipp (über den hinaus, den wir schon kennen):

Ohne Stress im Alltag schauen, wo man mal was besser machen kann und nicht zwanghaft verzichten. Ich überrede mich manchmal, mit der Bahn zu fahren, auch wenn es zwei Stunden länger dauert, benutze Carsharing, wo immer möglich, leihe mir auch in fremden Städten ein Fahrrad, achte auf saisonale und regionale Produkte. Wertigkeiten im Kopf verschieben finde ich wichtig: Ökostrom kostet zwar auf dem Papier mehr, hinterlässt aber weniger Umweltschäden. Reparieren ist manchmal paradoxerweise teurer als neu zu kaufen, aber jemand hat Arbeit und man vermeidet Müll. Beim Auto rechnet niemand den realen Preis, stört sich aber an den „hohen“ Kosten für Bahnfahrten und Carsharing, auch wenn das auf den Kilometer gerechnet oft nicht stimmt – und da sind noch nicht einmal Umweltkosten mit drin! Und dann liebe ich ja zu rechnen: Wenn ich die 15 Kilometer vom Bahnhof in Anklam zum Betrieb oder umgekehrt mit dem Fahrrad fahre, dann habe ich Bewegung und Ruhe im Kopf und spare Pi-mal-Daumen 15*0,12 kg = 1,8 kg CO2. Wenn jeder zehnte Deutsche eine solche Entscheidung einmal im Monat treffen würde, dann wären das 12*1,8*8.000.000kg also ca. 172.800 t CO2 im Jahr – eine beachtliche Menge, wenn auch nur ein Anfang, denn es sind nur geschätzte 0,02% der Jahresemissionen Deutschlands. Ganz viele dieser kleinen „Umdenker“ machen aber einiges aus. So kann man nachhaltig denken, privat und in Unternehmen, ohne gleich alles über den Haufen werfen zu müssen.

Vielen Dank für das schöne Interview, Maximilian. Hab einen schönen Tag und bis bald!

Du auch und viel Erfolg mit Evergreen Ideas! Vielen Dank.